Facebook: Gefällt mir nicht (Teil 5)

Kleine Überraschung für treue Leser dieser (Anti-)Facebook-Serie: Das Netzwerk hat selbstverständlich auch positive Seiten.

5. These: Facebook kann Spaß machen und Menschen zusammenbringen.

Diese ziemlich banale Weisheit basiert ebenso auf meinen Erlebnissen als ehemaliger Facebook-Nutzer wie die negativen Erfahrungen, die ich in den früheren Teilen dieser Serie geschildert habe. Seien es lustige Kommentare, Links auf nette Videoclips und auf interessante Artikel oder einfach ein schöner Austausch von persönlichen Nachrichten, diese Art von Meldungen macht Spaß und damit den Reiz der Mitgliedschaft aus. Darüber hinaus schätzen gerade Menschen mit Familienmitgliedern und Freunden in mehreren Ländern die Möglichkeit, via Facebook mit ihnen in ständigem Kontakt stehen zu können, ohne ihnen zeitraubend private Mails schicken zu müssen. Das stärkt die sozialen Beziehungen auch offline – einer der wichtigsten Vorzüge eines sozialen Online-Netzwerks.

Desweiteren schließen sich auf Facebook Menschen zu Gruppen zusammen, um sich über gemeinsame Interessen, Hobbys, politische Anliegen und Themen aller Arten auszutauschen. Eine solche Kommunikation und Information untereinander ist natürlich grundsätzlich zu begrüßen.

Im letzten Teil dieser Serie werde ich ein Fazit aus Pro und Contra der aufgestellten Thesen ziehen.

Fortsetzung folgt.

1. These: Facebook hat ein unseriöses Geschäftsmodell.
2. These: Facebook kommuniziert unseriös.
3. These: Die Nutzung von Facebook ist teilweise Zeitverschwendung.
4. These: Facebook macht seine Nutzer süchtig.

Facebook: Gefällt mir nicht (Teil 4)

4. These: Facebook macht seine Nutzer süchtig.

Leidgeprüfte Eltern können ein Lied davon singen: Wer der Facebook-Sucht verfallen ist, ist nur schwer zu bewegen, sich mehr um die wahren Freunde im wirklichen Leben als um die „Freunde“ auf Facebook zu kümmern, auch wenn es da natürlich Schnittmengen gibt. Doch nicht nur Teenies, auch Abermillionen von Erwachsene weltweit schauen mehrfach am Tag oder gleich permanent online nach, was ihre oft zahlreichen Kontakte so an mehr oder minder geistreichen und informativen Statements durch die Welt posaunen. Einerseits ist es zwar jedermanns Privatsache, womit er sich die Zeit vertreibt, aber die Gefahr, dass das reale Sozialleben unter dem Dauergeposte leidet, ist ernstzunehmen. Entsprechend viele Warnungen davor gibt es. Facebook wird so wahrlich zum Fakebook des Lebens. Wie man auf Englisch so schön sagt: Get a life!

Fortsetzung folgt.

1. These: Facebook hat ein unseriöses Geschäftsmodell.
2. These: Facebook kommuniziert unseriös.
3. These: Die Nutzung von Facebook ist teilweise Zeitverschwendung.

Facebook: Gefällt mir nicht (Teil 3)

3. These: Die Nutzung von Facebook ist teilweise Zeitverschwendung.

Als ich bei Facebook registriert war, wunderte ich mich immer wieder, welche gedankenlosen, irrelevanten und überflüssigen Meldungen selbst intelligente Bekannte unter meinen Kontakten dort absonderten. Natürlich gab es von ihnen auch interessante, geistreiche, unterhaltsame oder einfach nur nette Nachrichten. Aber nach einigen Monaten Mitgliedschaft mit wachsender Kontaktzahl kam ich zu dem Ergebnis, dass es mir mehr gibt, mich mit wirklichen Freunden offline, also persönlich oder telefonisch auszutauschen, als mit den Fake(book)-Freunden online. Das ist selbstverständlich eine subjektive Sicht und Entscheidung.

Auf alle Fälle konnte ich mich vor der Beendigung meiner Mitgliedschaft nur mit Mühe zurückhalten zu posten: „Liebe Facebook-Kontakte! Bevor es auch bei mir so weit kommt, dass ich hier allen mitteile ‘Muss jetzt aufs Klo’ und dann eine Vielzahl von Leuten ‘Gefällt mir’ klickt, verabschiede ich mich von dieser Plattform und kümmere mich lieber um das richtige Leben. Wir sprechen uns hoffentlich dort.“

Fortsetzung folgt.

1. These: Facebook hat ein unseriöses Geschäftsmodell.
2. These: Facebook kommuniziert unseriös.

Wulff-Affäre reloaded

Nachdem Ex-Bundespräsident Christian Wulff heute den Deal mit der Staatsanwaltschaft Hannover abgelehnt hat, die Ermittlungen wegen Bestechlichkeit gegen Zahlung von 20.000 Euro einzustellen, kann ich es mir nicht verkneifen, die geschätzten Leser auf meinen Kommentar vom 31.1.2012 hinzuweisen:
Die Doppelmoral der Medien in der Wulff-Affäre
Sämtliche darin geäußerten Kritikpunkte an meiner Zunft, der Medienbranche, halte ich weiter aufrecht. Ein etabliertes Online-Medium hatte den Kommentar damals bezeichnenderweise abgelehnt mit der Begründung, gerade wenn man Kritik an den Medien übe, müsse man differenziert argumentieren und „ohne Schaum vor dem Mund“. Daniel Florian hat ihn daraufhin dankenswerterweise in seinem Blog veröffentlicht.

Allein die Tatsache, dass die Staatsanwaltschaft nach den Monate langen Ermittlungen 20 von 21 Anklagepunkten fallenlassen musste, sollte uns zum Nachdenken bringen. Nicht nur Wulff, sondern auch weite Teile der Politik, Medien, Staatsanwaltschaft und Öffentlichkeit haben sich in der Affäre alles andere als mit Ruhm bekleckert. Auf ihre juristische Fortsetzung darf man gespannt sein.

Facebook: Gefällt mir nicht (Teil 2)

2. These: Facebook kommuniziert unseriös.

Sobald in den Medien ein Datenschutzvergehen (oft in massivem Umfang) von Facebook bekannt wird, praktiziert das Unternehmen folgendes Muster in seiner Öffentlichkeitsarbeit:
1. Ups, was ist denn da passiert.
2. Na sowas, wer hätte das gedacht, da stören sich manche Nutzer und Kritiker dran.
3. Na gut, wir gehen dem nach.
4. Wenn’s denn sein muss: Wir ändern paar Kleinigkeiten jetzt, andere evtl. später. Ob das umgesetzt wird, nachdem die öffentliche Aufregung abgeklungen ist, bleibt oft unklar.

In der Zwischenzeit heckt Facebook viele weitere Maschen zum Missbrauch, äh zur Verwertung der Nutzerdaten aus – in der Hoffnung, dass die Methoden nicht oder möglichst spät aufgedeckt werden. Bei Bekanntwerden wiederholt sich der obige Phasenzyklus.

Diese abstrakte Beschreibung der unseriösen Kommunikation des Unternehmens deckt sich mit meinen konkreten Erfahrungen als IT-Journalist. Vor einem Jahr nahm ich nämlich an der Veranstaltung “The German Facebook-Angst” des Fachausschusses Öffentlichkeitsarbeit des Journalistenverbands Berlin-Brandenburg teil. Eingeladen war die Kommunikationschefin von Facebook Deutschland, Tina Kulow. In ihrer gut gelaunten Präsentation machte sie den Journalisten zunächst deutlich, was für ein cooler und lockerer Typ FB-Chef Mark Zuckerberg doch ist. Der bringt sogar seinen Hund mit ins kalifornische Büro. Anschließend listete sie uns u.a. die beeindruckenden Nutzerzahlen des weltweiten Freundschaftsnetzes auf. In der Frage-und-Antwort-Runde entgegnete ich ihr, dass ich auch die Zahl 14 beeindruckend finde. So viele Kritikpunkte umfasst nämlich die von den deutschen Datenschutzaufsichtsbehörden aufgestellte Liste der „unverzüglich erforderlichen Veränderungen“ bei Facebook. Kulow relativierte die Kritik nach Kräften und erklärte, FB werde in einem Schreiben an die Behörden darauf näher eingehen. Im Übrigen sei man ja „im Gespräch“ mit den Datenschützern. Kein Grund zur Aufregung also.

Beim nächsten Strafzettel für das Überfahren roter Ampeln lege ich Widerspruch ein, erzähle allen, dass ich verdammt gute Gründe dafür habe und „in dieser Angelegenheit einen konstruktiven Dialog mit den Straßenverkehrsbehörden führe“. Frei nach Pippi Langstrumpf:

2 x 3 macht 4
Widdewiddewitt und Drei macht Neune!
Ich mach’ mir die Welt
Widdewidde wie sie mir gefällt…

Dass Frau Kulow geflissentlich verschwieg, dass FB den europäischen Unternehmenssitz nach Irland gelegt hat, weil das dortige Datenschutzniveau das niedrigste in der EU ist, konnte nicht mehr überraschen. Als ich berichtete, dass ich trotz mehrfacher Versuche es nicht geschafft habe, meinen ehemaligen FB-Account zu löschen, so dass ich bei Google immer noch als Mitglied angezeigt werde, meinte sie, ich hätte bei der Löschung offenbar irgendwas falsch gemacht. Nun, wer weiß, auf alle Fälle finde ich es merkwürdig, dass ich bei der Löschung von etlichen anderen Mitglieder-Konten (im Laufe eines Online-Lebens sammeln sich viele An- und Abmeldungen an) keinerlei Probleme hatte. Vielleicht ja nur ein dummer Zufall…

Im Nachgang zur Veranstaltung vermittelte mir Frau Kulow, die übrigens im persönlichen Umgang sympathisch ist, nach mehrfachem Nachhaken einen FB-Techniker, der die Löschung so vornahm, dass ich nicht mehr als (potenzieller) Facebook-Freund von Suchmaschinen gelistet werde. Nichts wäre schließlich falscher ;-)

Mein wiederholtes Nachhaken bzgl. der FB-Antwort auf die Kritikliste der Datenschützer verlief hingegen im Sande. Die Kommunikationschefin versicherte mir mehrfach, dass sie mir das Schreiben schicken werde, aber ich warte noch heute darauf. Hätte ich nach Infos gefragt, die zeigen, wie suupiiii-duupiiii FB ist, hätte ich mich vor der Hilfsbereitschaft der Pressesprecherin mit ziemlicher Sicherheit kaum retten können.

Fortsetzung folgt.

1. These: Facebook hat ein unseriöses Geschäftsmodell.
3. These: Die Nutzung von Facebook ist teilweise Zeitverschwendung.

Facebook: Gefällt mir nicht (Teil 1)

In nächster Zeit beschäftige ich mich hier in mehreren Thesen mit Facebook. Dabei geht es um meine grundsätzlichen Einschätzungen und Erlebnisse als Ex-Nutzer des Netzwerks. Ebenso werde ich meine Erfahrungen als IT-Journalist mit einer Vertreterin des Unternehmens schildern, weil meine Thesen u.a. darauf beruhen. Den Auftakt bildet heute das Geschäftsmodell.

Ein paar Worte vorab: Ein Facebook-Konto fördert die Vermarktung von Blogs. Viele Marketing- und PR-Fachleute sowie etliche Kollegen aus dem Journalismus sind überzeugt, dieses soziale Netzwerk sei für ihre Vermarktungs-, Öffentlichkeitsarbeits- und Selbstdarstellungszwecke unverzichtbar. Selbst wenn das so sein mag, wiegt für mich die Notwendigkeit der konsequenten Opposition gegenüber inakzeptablen Geschäftspraktiken höher als mehr Klicks. Daher verzichte ich lieber auf die Facebook-Mitgliedschaft. Der FB-Button unterhalb der Blogeinträge ist übrigens von WordPress voreingestellt und kann nicht gelöscht werden.

Kritik an Facebook tut gerade daher Not, da das Unternehmen mit über einer Milliarde Nutzer, darunter 25 Millionen in Deutschland, ein sehr mächtiger Akteur in der weltweiten Kommunikation ist. Umso wichtiger ist es, unseriöse Praktiken immer wieder anzuprangern und sich nicht damit abzufinden.

1. These: Facebook hat ein unseriöses Geschäftsmodell.

Es beruht darauf, dass die Nutzerdaten und -informationen höchst undurchsichtig verwertet werden. Vermeintlich ist die Mitgliedschaft kostenlos. Tatsächlich bezahlt jeder mit seinen Daten, die je nach Masse und Aussagekraft einen mehr oder weniger genauen Einblick in sein Leben und seine Persönlichkeit ermöglichen. Datenschutz und die Achtung der digitalen Privatsphäre sind zentrale Bürgerrechte im 21. Jahrhundert. Wie das auch bei anderen Menschenrechten der Fall ist, müssen sie erstritten und immer wieder verteidigt werden, auch gegenüber einem weltweiten „Freundschaftsnetzwerk“. Die Datenschutzverletzungen von Facebook sind Legion. Ich erspare es Ihnen, sie hier aufzulisten. Ganze Bücher wurden darüber schon geschrieben. Die von den deutschen Datenschutzaufsichtsbehörden aufgestellte Liste der „unverzüglich erforderlichen Veränderungen“ umfasst 14 Kritikpunkte. Verbraucherzentralen haben davon abgeraten, dieses soziale Netz zu nutzen.

Wenn Sie trotzdem nicht von Facebook lassen möchten oder können, protestieren Sie wenigstens auf der Plattform und gegenüber dem Unternehmen. Der nächste Anlass dazu kommt so sicher wie das Amen in der Kirche.

Vielen Facebook-Nutzern sind die Missstände egal, sie finden meine Ausführungen vielleicht zum Gähnen, weil sie Ähnliches schon öfters gelesen haben. Nur bitte beschweren Sie sich nicht zu laut, falls Sie irgendwann erfahren sollten, dass Facebook Ihre Daten noch ganz anders missbraucht als das heute der Fall ist.

Die EU plant eine Datenschutz-Grundverordnung. Zur Zeit machen viele Unternehmenslobbys in Brüssel massiv dagegen Front und versuchen nach Kräften, die Regelungen zu verwässern. Hier finden Sie nähere Infos und Erklärungen, wie Sie sich bei den Europa-Abgeordneten für Ihre Rechte einsetzen können:
http://www.privacycampaign.eu/contact-your-meps/legal-affairs-committee-juri/

Fortsetzung folgt.

2. These: Facebook kommuniziert unseriös.
3. These: Die Nutzung von Facebook ist teilweise Zeitverschwendung.

Mr. Wowereit, don’t tear down this wall!

2012-2013 Berlin 023

2012-2013 Berlin 033

2012-2013 Berlin 026

10,000 Berliners and 1 David Hasselhoff protested against the plan of the Berlin government and investors to tear down parts of the wall along the famous east side gallery to make room for luxury buildings on the former death strip along the Spree river. The US would never consider dismounting a leg of the statue of liberty to make space for apartments with a nice water view. The east side gallery is our equivalent, a landmark of the 40+-year-long separation of the world into east and west. It is the only place where the wall can still be seen and understood in a stretch of 1,3 kilometers. We owe it to the victims of the death strip, to us and to future generations to preserve this unique memorial. Last year Berlin’s financial minister Ulrich Nußbaum decided that the east side gallery has no meaning for Berlin as a whole and therefore it does not need special protection. Mr. Nußbaum, it just has a meaning for the world…

Sign petition: http://www.change.org/de/Petitionen/save-berlin-s-east-side-gallery-from-being-deconstructed-for-luxury-condos-on-the-former-death-strip