Die Big Brother Lamp

Es gibt geradezu Legionen überflüssiger und absurd anmutender Segnungen des Digital-Zeitalters. Mein derzeitiger Favorit ist die Good Night Lamp. Dabei handelt es sich um ein soziales Netzwerk per Lichtsignal: Schaltet zum Beispiel die Oma ihre „Big Lamp“ ein, so werden über das globale Mobilfunknetz auch die „Little Lamps“ ihrer in der Ferne lebenden Enkel eingeschaltet. Die Londoner Designerin Alexandra Deschamps-Sonsino verweist auf die wachsende Zahl von Single-Haushalten und erleuchtet uns mit ihren Erklärungen: „Es gibt einen Bedarf an beruhigender Vergewisserung, etwas, was man anschauen kann und was einem mitteilt, dass es einem lieben Menschen okay geht. … Es ist eine gute Art, anderen zu sagen: Ich bin zu Hause. … Wenn du heimkommst und du willst das deiner Mutter nicht wissen lassen, dann schalte die Lampe nicht an.“ Wahrlich ein Produkt, auf das die Welt gewartet hat: Die Big Brother Lamp.

Good reasons not to give in to cyber-blackmailers

The platform meetup.com, “the world’s largest network of local groups” as it calls itself, recently was hit by a distributed denial-of-service (DDoS) attack. Meetup’s co-founder and CEO Scott Heiferman described the course of events, attacks and countermeasures in a blogpost. It all started with this email that he got:
“A competitor asked me to perform a DDoS attack on your website. I can stop the attack for $300 USD. Let me know if you are interested in my offer.”
Heiferman chose not to pay for several reasons that can serve as good advice for other cybercrime victims. He explains them:
“1. We made a decision not to negotiate with criminals.
2. The extortion dollar amount suggests this to be the work of amateurs, but the attack is sophisticated. We believe this lowball amount is a trick to see if we are the kind of target who would pay. We believe if we pay, the criminals would simply demand much more.
3. Payment could make us (and all well-meaning organizations like us) a target for further extortion demands as word spreads in the criminal world.
4. We are confident we can protect Meetup from this aggressive attack, even if it will take time.”
After three days the attacks stopped. The platform is stable again.

And the Oscar goes to… Google?

Vergangene Woche erhielt ich von Googles PR-Agentur eine Pressemitteilung mit den Oscar-Favoriten der Suchmaschine. Auf Basis der populärsten Suchbegriffe für Filme, Schauspieler und Regisseure hatte Google Ranglisten mit je fünf Favoriten für sechs Oscars aufgestellt. Auch als Nicht-Cineast war ich daher gespannt, ob sich die von Google prognostizierten Gewinner bei der Preisverleihung am Sonntag bewahrheiten würden. Ergebnis: Nur in der Sparte „Bester Nebendarsteller“ lag Google mit Jared Leto richtig. Es wirkt in Zeiten von Big Data ja schon geradezu beruhigend, dass selbst ein nach digitaler Allmacht strebender Konzern in fünf von sechs Fällen falsche Prognosen aufgestellt hat. Allerdings lag er in den fünf anderen Sparten nur knapp daneben: Alle Sieger waren unter den Top Fünf der Google-Suchanfragen gelistet.

Chinese domain scammers threaten online crime fighter

Some weeks ago I received an unusual email that turned out to be a Chinese domain scam. I became aware of this by an online search for the sender of the email. His name was listed on a very useful website explaining the fraud and containing a lot of scammers’ names and their contact data. As the site recommended, I told its webmaster Christopher Hofman Laursen about the message I had got.

Today he emailed to me and asked to spread the following information: “We are hitting the Chinese domain scammers hard with the scammer list at scam.europeandomaincentre.com. So hard that one of them has just sent me this threat below. This just shows what kind of people we are dealing with. Do share this in your network, so we can put an end to their gangster methods,“ wrote Laursen.

Voilà, here is the intimidating email. Its content is as bad as its grammar:

Hi,
Currently,we found your company has sent lots of bad information to our company which has already brought bad effects for our reputation.Hence,we hope your company can stop this action to us,and kindly delete the bad information.
If not,we will do below actions :
1. We will register a series of extensions domains of europeandomaincentre,and built these domains as websites to publish the news to everybody,then let all people knows your company is a bad company.
2. We will contact our law office to against your company. 
3. We will contact EMBASSY OF THE PEOPLES REPUBLIC OF CHINA IN THE KINGDOM OF DENMARK to research your company.
4. We will complain your company by your upon administration.
Once your company can stop and delete bad information in your database,we will consider to recommend our customers which only want to register domains withEurope registrars to you in future.
If your company ignore my email,we will take action next week,then your company undertakes all consequences.

Die liebste Wahl der Medien: die Kampfabstimmung

Kampfabstimmungen über Kampfabstimmungen. Egal ob es wie jüngst um die Spitzenkandidatur der Grünen für die Europawahl ging oder um den Leitantrag zum Europawahlprogramm der Linkspartei (in diesem Fall wurde letztlich gar nicht kämpferisch abgestimmt), der martialisch anmutende Terminus erfreut sich in den Medien inflationärer Beliebtheit. Dabei muss es nicht um das Wohl und Wehe Europas gehen, nein, auch der Murnauer Gemeinderat steuert in der strittigen Frage, ob der Kemmelpark noch mehr Einzelhandel verträgt, auf eine Kampfabstimmung zu. Im gemeinhin friedlichen Tegernseer Land hingegen sorgte selbige bereits für die Entscheidung. Der Gmunder Gemeinderat favorisierte nämlich bei der Namenswahl für eine neue Straße „Am Hoffeld“. „Am Obstgarten“ unterlag in diesem Kampf.

Nun, warum Aufhebens machen wegen eines einzelnen Wortes? Wikipedia bringt es auf den Punkt: „Auch wenn Abstimmungen in einer Demokratie das übliche Mittel der Entscheidungsfindung sind, sind Kampfabstimmungen in Parteien die Ausnahme. … Eine Partei, die in inhaltlichen Fragen tief gespalten ist, ist im Parteienwettbewerb benachteiligt. In der Öffentlichkeit werden Kampfabstimmungen imageschädigend als Zeichen der Zerstrittenheit gewertet.” Und darin liegt das Problem des Begriffs: Er suggeriert Zwist und Streit (deswegen verwenden ihn Journalisten ja so gerne), was beim konsens- und harmoniesüchtigen deutschen Wähler schlecht ankommt, für den die Geschlossenheit einer Partei ein sehr hohes Gut ist. Parteien, die vor einer Wahl über Inhalte und Führungspersonal kontrovers diskutieren, werden in Deutschland in aller Regel an der Urne abgestraft. Ein solch einseitiges Demokratieverständnis ist zumindest problematisch, denn unterschiedliche Meinungen, die sich in Voten widerspiegeln, gehören zum Wesen der Demokratie und sind das Salz in der Suppe. Dabei unterscheidet sich die Kampfabstimmung von der allgemeinen Abstimmung lediglich dadurch, dass der Ausgang offen ist. Und so etwas soll selbst in einer gut durchorganisierten Parteiendemokratie gelegentlich vorkommen.

Hollywood went Bosporus

Integration mal andersherum bietet eine neue Gruppe in Berlin, für die ich hier ein wenig die Werbetrommel rühren möchte. Denn das erste Treffen von „Turkish for Hipsters“ machte dem originellen Namen alle Ehre. Witzige Youtube-Clips zeigten, wie bekannte US-Action- und Science Fiction-Streifen in den 60er und 70er Jahren in türkische Pendants verwandelt wurden. Die Anpassung Hollywoods an die Filmwelt am Bosporus: ein Beispiel geglückter Integration! Wer z.B. auf den türkischen Spiderman, Mr. Spock, Rambo und die schröckliche Entscheidungsschlacht in Krieg der Sterne gespannt ist, wird hier fündig. Zurücklehnen und genießen!

Stärken und Schwächen von Musik-Streaming-Diensten

Google startete im Dezember in Deutschland Google Play Music „All-Inclusive”. An der Pressekonferenz dazu nahm ich damals teil und testete seitdem mit Interesse den Streaming-Dienst. Google greift damit insbesondere den bisherigen Platzhirschen Spotify an. Spotify höre ich seit längerem, so dass ich auf den Vergleich gespannt war. Mein Fazit: Beide Angebote unterscheiden sich nur wenig voneinander. Ihre Palette der Künstler und Alben ist sehr weit gefächert und die Klangqualität ist sehr gut. In den allermeisten Fällen wurde ich bei der Suche fündig. Der Vorteil von All-Inclusive ist, dass man die eigene Musiksammlung (bis zu 20.000 Titel!) in Googles Cloud hochladen kann. Spotify finde ich in der Bedienung ein wenig praktischer und einfacher. Zudem ist es bereits ab 4,99 Euro pro Monat erhältlich, während Googles Produkt 9,99 Euro kostet. Spotify kann man auch kostenlos hören. Es nervt einen aber mit häufig eingespielten lauten Jingles zur Eigenwerbung so lange, bis man „gerne“ das Abo abschließt. Ob man sich dabei wohl fühlt, dem nach digitaler Allmacht strebenden Google-Konzern nun auch noch den eigenen Musikgeschmack zur möglichen Datenverwertung und -kommerzialisierung minutiös mitzuteilen, bleibt natürlich jedem überlassen. Ich habe mich schon aus diesem Grund entschieden, künftig nur noch Spotify zu nutzen, wobei es auch an dessen Datenschutz und Vergütungsmodell für die Künstler Kritik gab und gibt.

Ganz andere Stärken und Schwächen hat last.fm. Seine Kostenlos-Version ist ein ansprechendes Angebot. Größter Vorteil ist die viel größere Auswahl an Stilen, unter denen man wählen kann. Hier dürfte jeder fündig werden, denn nicht nur für die Hörer gängiger Genres wie Rock, Pop und Klassik werden Radiostationen offeriert, sondern auch die Fans von „Apocalyptic Folk“, „World Fusion“ oder „Asian Underground“ kommen auf ihre Kosten. Last.fm ist ideal, wenn man Musik abseits des Mainstreams entdecken will. Interessant finde ich auch die Infos, die zum jeweiligen Künstler gezeigt werden. Ein großer Nachteil ist jedoch, dass man in der aktuellen Beta-Version nur Lieder gezielt finden und anhören kann, wenn es ein Youtube-Video dazu gibt, das dann abgespielt wird.

Ein gemeinsamer Nachteil der Streaming-Dienste gegenüber CDs und dem einmaligen Herunterladen von Liedern ist die Tatsache, dass diese Art des Musikgenusses leider klimaschädlich ist. Denn die gigantische Datenübertragung, die dabei weltweit anfällt, führt zu einem sehr hohen CO2-Ausstoß. So entspricht der Strombedarf eines großen Google-Rechenzentrums dem einer Kleinstadt. Vielen ist diese Schattenseite des bequemen und beliebten Audio- und Video-Streamings zu wenig bewusst.

Wie sind Ihre Erfahrungen und Beurteilungen dieser oder anderer Plattformen?