Briten sorgen sich um Datenschutz bei Big Data

In Diskussionen über Datenschutz im Zeitalter von Big Data wird gerne behauptet, dass Datenschutz nur ein Thema in Deutschland sei. Die angelsächsische Welt hingegen sei frei von den notorischen deutschen Bedenkenträgern, stehe den Chancen der massenhaften Datenerhebung und -auswertung viel aufgeschlossener gegenüber und hacke nicht immer nur auf den Risiken wie der Bedrohung der Privatsphäre herum. Post-Privacy sei angesagt, Datenschutz dagegen von vorgestern.

Dass diese Einschätzung zu holzschnittartig ist und die Realität sich differenzierter darstellt, zeigt eine neue Studie der Unternehmensberatung KPMG. 1600 Verbraucher in Großbritannien wurden dazu über ihre Einstellung gegenüber dem Internet der Dinge befragt. KPMG zieht das Fazit: „UK consumers fear that technology is overtaking their lives, with many increasingly concerned about the pace of change they face. Results also highlight discomfort with the greater surveillance of everyday life and a cynicism about the need for connected devices.“
Einige Ergebnisse der Befragung:
– More than half (58 percent) resent the idea that computers seem to run their lives “wherever I go” and 70 percent suggest that with the marketplace flooded by inter-connected devices, it’s too easy for things to go wrong.
– UK consumers are hankering after a return to ‘simple’ technology. For example, 54 percent mainly want their phone only to make calls and the majority think that more advanced internet-based products such as smart fridges which self-order food or cookers reminding owners about recipes weren’t seen as necessary.
– Respondents questioned how it’s possible to keep personal information private, with 56% of those polled concerned about a “Big Brother” effect occurring as a result of these products and the pace at which they are being produced and implemented.
– Security and privacy are high on the list of worries for the consumer with 62% of believing that there is insufficient concern about it.

Doch auch der mögliche Nutzen des Internets der Dinge wird durchaus erkannt:
– Respondents are quick to recognise that inter-connected devices can bring benefits, with 48 percent welcoming the idea that smart meters can save energy and money. Four in 10 also suggest that health monitors which issue warnings about impending illness are a good idea and 46 percent want to use security systems to monitor their property whilst away from home.

Gefahren der Digitalisierung

Auch wenn die folgenden zwei Webtipps nicht mehr taufrisch sind, möchte ich sie wegen ihrer grundsätzlichen thematischen Bedeutung für die Digitalisierung unserer Welt dem geneigten Leser bzw. Zuschauer wärmstens empfehlen.

In seiner TV-Doku „Netwars – Krieg im Netz“ auf Arte zeigt Marcel Kolvenbach, wie leicht ein kleines Hackerteam binnen dreier Tage in das Strom- und Wassernetz von Ettlingen bei Karlsruhe einbrechen kann und die Kontrolle darüber gewinnt, so dass es die Versorgung der Stadt kappen könnte. Das Beispiel illustriert eindrucksvoll die Möglichkeiten des Cyberkriegs im Bereich der kritischen Infrastrukturen. Eine Reihe internationaler Fachleute nimmt im Film dazu Stellung.

In einem flammenden offenen Brief an Google-Chef Eric Schmidt prangert Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Alex Springer, den Monopolmissbrauch des Suchmaschinenkonzerns an. Er antwortet damit auf einen Text Schmidts, den die FAZ ein paar Tage zuvor veröffentlicht hatte und in dem der Springer-Verlag mehrfach erwähnt wird. Unter dem Titel „Warum wir Google fürchten“ erklärt Döpfner prägnant, wie Google seine Dominanz in der Netzwelt ausnutzt und weiter ausbauen will. Darunter leidet nicht nur der Springer-Verlag, sondern auch die europäische Digitalwirtschaft und durch die allumfassende Datenerfassung und -verwertung wir alle. Wie in vielen anderen Branchen zeigt sich eben auch in der IT-Branche, dass eine marktbeherrschende Stellung in aller Regel ausgenutzt wird. Umso wichtiger ist es, dass Politik und Gesellschaft sich dieser Gefahren bewusst werden und ihnen Einhalt gebieten. Döpfners Brief leistet dazu einen Beitrag.