Zum Tod von Frank Schirrmacher

Durch den Tod des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher hat Deutschland einen großen Denker verloren. Er war einer der profiliertesten Journalisten und Publizisten. Hervorheben möchte ich seine Leistung, das Feuilleton dazu zu bewegen, sich weniger um sich selbst zu drehen, sondern sich mit den großen Herausforderungen zu beschäftigen, die naturwissenschaftliche und technische Entwicklungen wie die Digitalisierung für die Gesellschaft bedeuten. Das ist umso bemerkenswerter in einem Genre, in dem allzu viele Theater-, Film- und Buchkritiker in ihren Artikeln lieber im Elfenbeinturm ihre (Pseudo-)Intellektualität eitel zur Schau stellen als ihre Aufgabe zu erfüllen, die Leser über die jeweiligen Werke zu informieren und eine begründete, verständliche und damit nachvollziehbare Beurteilung zu bieten. Stellvertretend für die vielen Nachrufe und Würdigungen empfehle ich „Ein sehr großer Geist“ und „Der Überwältiger“.

Lesenswert waren nicht nur Schirrmachers Artikel in der FAZ, sondern auch seine Tweets, in denen er oft prägnant die Auswüchse von Big Data benannte. Nachdenklich zeigte er auf, wie die allumfassende Informationstechnik und die damit verbundene Reizüberflutung unser Denken und Handeln verändern. Es bleibt zu hoffen, dass die FAZ sein Erbe einer fundierten und kritischen Auseinandersetzung mit den Schattenseiten der Digitalisierung und ihren mächtigen Treibern und Akteuren fortsetzt, sei es Google, Facebook oder die NSA!

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Gefahren der Digitalisierung

Auch wenn die folgenden zwei Webtipps nicht mehr taufrisch sind, möchte ich sie wegen ihrer grundsätzlichen thematischen Bedeutung für die Digitalisierung unserer Welt dem geneigten Leser bzw. Zuschauer wärmstens empfehlen.

In seiner TV-Doku „Netwars – Krieg im Netz“ auf Arte zeigt Marcel Kolvenbach, wie leicht ein kleines Hackerteam binnen dreier Tage in das Strom- und Wassernetz von Ettlingen bei Karlsruhe einbrechen kann und die Kontrolle darüber gewinnt, so dass es die Versorgung der Stadt kappen könnte. Das Beispiel illustriert eindrucksvoll die Möglichkeiten des Cyberkriegs im Bereich der kritischen Infrastrukturen. Eine Reihe internationaler Fachleute nimmt im Film dazu Stellung.

In einem flammenden offenen Brief an Google-Chef Eric Schmidt prangert Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Alex Springer, den Monopolmissbrauch des Suchmaschinenkonzerns an. Er antwortet damit auf einen Text Schmidts, den die FAZ ein paar Tage zuvor veröffentlicht hatte und in dem der Springer-Verlag mehrfach erwähnt wird. Unter dem Titel „Warum wir Google fürchten“ erklärt Döpfner prägnant, wie Google seine Dominanz in der Netzwelt ausnutzt und weiter ausbauen will. Darunter leidet nicht nur der Springer-Verlag, sondern auch die europäische Digitalwirtschaft und durch die allumfassende Datenerfassung und -verwertung wir alle. Wie in vielen anderen Branchen zeigt sich eben auch in der IT-Branche, dass eine marktbeherrschende Stellung in aller Regel ausgenutzt wird. Umso wichtiger ist es, dass Politik und Gesellschaft sich dieser Gefahren bewusst werden und ihnen Einhalt gebieten. Döpfners Brief leistet dazu einen Beitrag.