Neue Studie belegt: Facebook macht unglücklich

Was viele schon ahnten und ich in meiner Serie „Facebook: Gefällt mir nicht“ beschrieben habe, hat nun eine Studie der Universität Michigan wissenschaftlich untermauert: Je häufiger Menschen Facebook nutzen, desto unglücklicher werden sie. Nach Aussage der Forscher ist es die erste Studie, die den Einfluss des sozialen Netzwerks auf die Zufriedenheit und das persönliche Glück untersucht. Pflegten die Testpersonen dagegen direkten Kontakt zu anderen Menschen über Telefon oder Auge in Auge, war das Ergebnis positiv: Die Probanden fühlten sich hinterher wohler als vorher. Bemerkenswert ist in dem Zusammenhang auch das eigentümliche Sozialverhalten des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg. So kann er laut dem lesenswerten ZEIT-Artikel „Wahnsinns-Typen“ seinem Gegenüber kaum in die Augen schauen. Sogar „Züge von Asperger-Autismus“ attestiert ihm ein ehemaliger Facebook-Manager. Und so jemand definiert das Verständnis von Freundschaft für Millionen von Menschen, die ihr Selbstwertgefühl auf der Zahl ihrer Fake(book)-Freunde aufbauen und lieber auf dem Smartphone ihren neuesten Facebook-Eintrag absetzen als mit dem Gegenüber am Tisch zu reden.

US immigration authority can tap into Facebook accounts

Originally, I intended to finish my comments on Facebook with the last part of my series. However, since I just read the very interesting articles Documents: U.S. mining data from 9 leading Internet firms; companies deny knowledge in the Washington Post and NSA taps in to systems of Google, Facebook, Apple and others, secret files reveal in the Guardian, I changed my mind. According to them the NSA and the FBI are tapping directly into the central servers of nine leading US Internet companies, extracting audio and video chats, photographs, e-mails, documents, and connection logs that enable analysts to track foreign targets. One of these companies is Facebook.

This finding corresponds with the experience of a trustworthy German acquaintant of mine. She travelled to the US and was checked by an immigration official at an airport. During the interrogation she mentioned her Facebook account. Without knowing her password, the official was able to access her account. He tried to check there if her answers were correct. I do not know other cases, but apparently the US immigration authority can tap into Facebook accounts as well, possibly with the help of the NSA and/or the FBI. If you had similar experiences, please add a comment here or let me know.

Facebook: Gefällt mir nicht (Teil 6)

In fünf Folgen dieser Serie habe ich mich mit dem wenigen Pro und dem vielen Contra von Facebook auseinandergesetzt. Selbstverständlich sind die ausgeführten Thesen und Argumente nicht vollständig. Das ist in einem Blog nicht möglich, schließlich wurden schon ganze Bücher über Fratzebuch geschrieben. Als Beispiel für die zahlreichen Lücken sei die vor kurzem erfolgte Zensur der Einträge des WDR-Moderators Domian auf seinem Facebook-Profil durch das Unternehmen genannt.

6. These: Wir brauchen eine seriöse Alternative und stärkeren Protest gegen Missbrauch.

Wichtiger als die Vollständigkeit oder Tiefe meiner Ausführungen ist mir zum einen das Fazit, dass eine seriöse Alternative zu Facebook Not tut. Natürlich gibt es eine sehr große Zahl diverser sozialer Netzwerke, von denen viele seriöser agieren als Facebook, indem sie insbesondere gegen den Datenschutz ihrer Nutzer nicht so eklatant verstoßen. Bedauerlicherweise kann es die Konkurrenz zur Zeit nicht annähernd mit der Marktmacht von Facebook mit über einer Milliarde Nutzer aufnehmen. In der superdynamischen IT-Welt muss das aber kein Dauerzustand sein. Das Web hat schon viele Größen kommen und gehen sehen, die im Zenit ihres Erfolgs unangreifbar schienen. Vielleicht liest ja ein zweiter Mark Zuckerberg diese Zeilen und fühlt sich dazu berufen, eine bessere Alternative zu entwickeln 😉

Zum anderen möchte ich an Sie appellieren, gerade wenn Sie Facebook-Nutzer sind, sich nicht mit den Praktiken dieses Mega-Netzwerks abzufinden. Protestieren Sie gegen die Verletzungen des Schutzes Ihrer Daten und vernetzen Sie sich dazu mit anderen Nutzern! Solche Initiativen mit Tausenden von Unterstützern gibt es bereits auf Facebook. Je mehr Menschen sich nicht mit Vertuschungen und Relativierungen abfinden, sondern dagegen angehen, desto größer sind Ihre Chancen, dass Ihre Stimme gehört wird! Das gilt gegenüber Regierungen, Organisationen und Unternehmen. Die oft gehörte Meinung, dass Sie ohnehin nichts ändern können, ist eine Mär. Gerade Unternehmen sind auf wirtschaftlichen Erfolg und Image bedacht und reagieren, wenn der Druck auf sie zu groß wird. Wenn Sie hingegen nichts tun, steigt das Risiko, dass Sie künftig noch mehr über den Tisch gezogen wurden als bisher. Lassen Sie es nicht soweit kommen.

Last but not least: viel Spaß beim Nutzen der vielfältigen Kommunikations- und Informationsangebote von sozialen Netzwerken! Wie lauten Ihre Meinungen und Einschätzungen zu dieser Serie?

1. These: Facebook hat ein unseriöses Geschäftsmodell.
2. These: Facebook kommuniziert unseriös.
3. These: Die Nutzung von Facebook ist teilweise Zeitverschwendung.
4. These: Facebook macht seine Nutzer süchtig.
5. These: Facebook kann Spaß machen und Menschen zusammenbringen.

Facebook: Gefällt mir nicht (Teil 5)

Kleine Überraschung für treue Leser dieser (Anti-)Facebook-Serie: Das Netzwerk hat selbstverständlich auch positive Seiten.

5. These: Facebook kann Spaß machen und Menschen zusammenbringen.

Diese ziemlich banale Weisheit basiert ebenso auf meinen Erlebnissen als ehemaliger Facebook-Nutzer wie die negativen Erfahrungen, die ich in den früheren Teilen dieser Serie geschildert habe. Seien es lustige Kommentare, Links auf nette Videoclips und auf interessante Artikel oder einfach ein schöner Austausch von persönlichen Nachrichten, diese Art von Meldungen macht Spaß und damit den Reiz der Mitgliedschaft aus. Darüber hinaus schätzen gerade Menschen mit Familienmitgliedern und Freunden in mehreren Ländern die Möglichkeit, via Facebook mit ihnen in ständigem Kontakt stehen zu können, ohne ihnen zeitraubend private Mails schicken zu müssen. Das stärkt die sozialen Beziehungen auch offline – einer der wichtigsten Vorzüge eines sozialen Online-Netzwerks.

Desweiteren schließen sich auf Facebook Menschen zu Gruppen zusammen, um sich über gemeinsame Interessen, Hobbys, politische Anliegen und Themen aller Arten auszutauschen. Eine solche Kommunikation und Information untereinander ist natürlich grundsätzlich zu begrüßen.

Im letzten Teil dieser Serie werde ich ein Fazit aus Pro und Contra der aufgestellten Thesen ziehen.

Fortsetzung folgt.

1. These: Facebook hat ein unseriöses Geschäftsmodell.
2. These: Facebook kommuniziert unseriös.
3. These: Die Nutzung von Facebook ist teilweise Zeitverschwendung.
4. These: Facebook macht seine Nutzer süchtig.
6. These: Wir brauchen eine seriöse Alternative und stärkeren Protest gegen Missbrauch.

Facebook: Gefällt mir nicht (Teil 4)

4. These: Facebook macht seine Nutzer süchtig.

Leidgeprüfte Eltern können ein Lied davon singen: Wer der Facebook-Sucht verfallen ist, ist nur schwer zu bewegen, sich mehr um die wahren Freunde im wirklichen Leben als um die „Freunde“ auf Facebook zu kümmern, auch wenn es da natürlich Schnittmengen gibt. Doch nicht nur Teenies, auch Abermillionen von Erwachsene weltweit schauen mehrfach am Tag oder gleich permanent online nach, was ihre oft zahlreichen Kontakte so an mehr oder minder geistreichen und informativen Statements durch die Welt posaunen. Einerseits ist es zwar jedermanns Privatsache, womit er sich die Zeit vertreibt, aber die Gefahr, dass das reale Sozialleben unter dem Dauergeposte leidet, ist ernstzunehmen. Entsprechend viele Warnungen davor gibt es. Facebook wird so wahrlich zum Fakebook des Lebens. Wie man auf Englisch so schön sagt: Get a life!

Fortsetzung folgt.

1. These: Facebook hat ein unseriöses Geschäftsmodell.
2. These: Facebook kommuniziert unseriös.
3. These: Die Nutzung von Facebook ist teilweise Zeitverschwendung.
5. These: Facebook kann Spaß machen und Menschen zusammenbringen.
6. These: Wir brauchen eine seriöse Alternative und stärkeren Protest gegen Missbrauch.

Facebook: Gefällt mir nicht (Teil 3)

3. These: Die Nutzung von Facebook ist teilweise Zeitverschwendung.

Als ich bei Facebook registriert war, wunderte ich mich immer wieder, welche gedankenlosen, irrelevanten und überflüssigen Meldungen selbst intelligente Bekannte unter meinen Kontakten dort absonderten. Natürlich gab es von ihnen auch interessante, geistreiche, unterhaltsame oder einfach nur nette Nachrichten. Aber nach einigen Monaten Mitgliedschaft mit wachsender Kontaktzahl kam ich zu dem Ergebnis, dass es mir mehr gibt, mich mit wirklichen Freunden offline, also persönlich oder telefonisch auszutauschen, als mit den Fake(book)-Freunden online. Das ist selbstverständlich eine subjektive Sicht und Entscheidung.

Auf alle Fälle konnte ich mich vor der Beendigung meiner Mitgliedschaft nur mit Mühe zurückhalten zu posten: „Liebe Facebook-Kontakte! Bevor es auch bei mir so weit kommt, dass ich hier allen mitteile ‚Muss jetzt aufs Klo‘ und dann eine Vielzahl von Leuten ‚Gefällt mir‘ klickt, verabschiede ich mich von dieser Plattform und kümmere mich lieber um das richtige Leben. Wir sprechen uns hoffentlich dort.“

Fortsetzung folgt.

1. These: Facebook hat ein unseriöses Geschäftsmodell.
2. These: Facebook kommuniziert unseriös.
4. These: Facebook macht seine Nutzer süchtig.
5. These: Facebook kann Spaß machen und Menschen zusammenbringen.
6. These: Wir brauchen eine seriöse Alternative und stärkeren Protest gegen Missbrauch.

Facebook: Gefällt mir nicht (Teil 2)

2. These: Facebook kommuniziert unseriös.

Sobald in den Medien ein Datenschutzvergehen (oft in massivem Umfang) von Facebook bekannt wird, praktiziert das Unternehmen folgendes Muster in seiner Öffentlichkeitsarbeit:
1. Ups, was ist denn da passiert.
2. Na sowas, wer hätte das gedacht, da stören sich manche Nutzer und Kritiker dran.
3. Na gut, wir gehen dem nach.
4. Wenn’s denn sein muss: Wir ändern paar Kleinigkeiten jetzt, andere evtl. später. Ob das umgesetzt wird, nachdem die öffentliche Aufregung abgeklungen ist, bleibt oft unklar.

In der Zwischenzeit heckt Facebook viele weitere Maschen zum Missbrauch, äh zur Verwertung der Nutzerdaten aus – in der Hoffnung, dass die Methoden nicht oder möglichst spät aufgedeckt werden. Bei Bekanntwerden wiederholt sich der obige Phasenzyklus.

Diese abstrakte Beschreibung der unseriösen Kommunikation des Unternehmens deckt sich mit meinen konkreten Erfahrungen als IT-Journalist. Vor einem Jahr nahm ich nämlich an der Veranstaltung „The German Facebook-Angst“ des Fachausschusses Öffentlichkeitsarbeit des Journalistenverbands Berlin-Brandenburg teil. Eingeladen war die Kommunikationschefin von Facebook Deutschland, Tina Kulow. In ihrer gut gelaunten Präsentation machte sie den Journalisten zunächst deutlich, was für ein cooler und lockerer Typ FB-Chef Mark Zuckerberg doch ist. Der bringt sogar seinen Hund mit ins kalifornische Büro. Anschließend listete sie uns u.a. die beeindruckenden Nutzerzahlen des weltweiten Freundschaftsnetzes auf. In der Frage-und-Antwort-Runde entgegnete ich ihr, dass ich auch die Zahl 14 beeindruckend finde. So viele Kritikpunkte umfasst nämlich die von den deutschen Datenschutzaufsichtsbehörden aufgestellte Liste der „unverzüglich erforderlichen Veränderungen“ bei Facebook. Kulow relativierte die Kritik nach Kräften und erklärte, FB werde in einem Schreiben an die Behörden darauf näher eingehen. Im Übrigen sei man ja „im Gespräch“ mit den Datenschützern. Kein Grund zur Aufregung also.

Beim nächsten Strafzettel für das Überfahren roter Ampeln lege ich Widerspruch ein, erzähle allen, dass ich verdammt gute Gründe dafür habe und „in dieser Angelegenheit einen konstruktiven Dialog mit den Straßenverkehrsbehörden führe“. Frei nach Pippi Langstrumpf:

2 x 3 macht 4
Widdewiddewitt und Drei macht Neune!
Ich mach‘ mir die Welt
Widdewidde wie sie mir gefällt…

Dass Frau Kulow geflissentlich verschwieg, dass FB den europäischen Unternehmenssitz nach Irland gelegt hat, weil das dortige Datenschutzniveau das niedrigste in der EU ist, konnte nicht mehr überraschen. Als ich berichtete, dass ich trotz mehrfacher Versuche es nicht geschafft habe, meinen ehemaligen FB-Account zu löschen, so dass ich bei Google immer noch als Mitglied angezeigt werde, meinte sie, ich hätte bei der Löschung offenbar irgendwas falsch gemacht. Nun, wer weiß, auf alle Fälle finde ich es merkwürdig, dass ich bei der Löschung von etlichen anderen Mitglieder-Konten (im Laufe eines Online-Lebens sammeln sich viele An- und Abmeldungen an) keinerlei Probleme hatte. Vielleicht ja nur ein dummer Zufall…

Im Nachgang zur Veranstaltung vermittelte mir Frau Kulow, die übrigens im persönlichen Umgang sympathisch ist, nach mehrfachem Nachhaken einen FB-Techniker, der die Löschung so vornahm, dass ich nicht mehr als (potenzieller) Facebook-Freund von Suchmaschinen gelistet werde. Nichts wäre schließlich falscher 😉

Mein wiederholtes Nachhaken bzgl. der FB-Antwort auf die Kritikliste der Datenschützer verlief hingegen im Sande. Die Kommunikationschefin versicherte mir mehrfach, dass sie mir das Schreiben schicken werde, aber ich warte noch heute darauf. Hätte ich nach Infos gefragt, die zeigen, wie suupiiii-duupiiii FB ist, hätte ich mich vor der Hilfsbereitschaft der Pressesprecherin mit ziemlicher Sicherheit kaum retten können.

Fortsetzung folgt.

1. These: Facebook hat ein unseriöses Geschäftsmodell.
3. These: Die Nutzung von Facebook ist teilweise Zeitverschwendung.
4. These: Facebook macht seine Nutzer süchtig.
5. These: Facebook kann Spaß machen und Menschen zusammenbringen.
6. These: Wir brauchen eine seriöse Alternative und stärkeren Protest gegen Missbrauch.