Berlin, Berlin

Fundstück aus blog.nerdette.org

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Die ideale Päpstin

Die Debatte um den geeignetsten Kandidaten für die Nachfolge auf dem Stuhle Petri tobt. Angesichts der schweren und Jahrhunderte alten Verkrustungen in der katholischen Kirche (ich weiß, sie werden nicht überall in der Weltkirche so heftig empfunden wie von der Mehrheit in westlichen Industriestaaten) hier mein Vorschlag, unterbreitet in aller christlichen Demut: Eine gläubige, theologisch versierte, charakterstarke und verheiratete Afrikanerin erscheint mir die ideale Kandidatin zu sein, um die überfällige Zeitenwende in der Amtskirche herbeizuführen. Da kirchenrechtlich aber nur Männer als Päpste in Frage kommen, bleibt das bis auf Weiteres nur ein visionärer Wunsch. Höchst interessant finde ich die Tatsache, dass mann nicht einmal die Priesterweihe empfangen haben muss, um nach dem Kirchenrecht zum Papst gewählt werden zu können. Die Diakonenweihe ist ausreichend. Sollte ein im kanonischen Recht bewanderter Leser dieser Zeilen mir widersprechen wollen, so wäre ich an näheren Informationen dazu interessiert.

Impressionen vom Berlin-Derby

Was für ein denkwürdiger und historischer Tag gestern! Da freut man sich als Fan seit Wochen auf den Besuch des Derbys Hertha gegen Union und dann tritt Stunden zuvor ausgerechnet am Rosenmontag der Papst zurück. Für mich sind die beiden völlig unterschiedlich anmutenden Großereignisse kurios miteinander verbunden, denn zuletzt war ich bei der Papstmesse 2011 im Olympiastadion. Gestern habe ich aber mehr gesungen 🙂

Als seit vielen Jahren in Berlin lebender Augsburger ist das sportliche Aufeinandertreffen von Ost und West für mich aus vielen Gründen immer noch etwas ganz Besonderes und im Grunde Schönes, denn Jahrzehnte lang war eine solche Begegnung in einer Liga leider unmöglich. Als Union-Fan genoss ich daher am Nachmittag die Atmosphäre des Treffens der Anhänger der Eisernen neben der Gedächtniskirche. Die gute Stimmung verflog leider rasch, als in der Unterführung der Hardenbergstraße ein herbeieilender Polizeikordon uns ca. zehn Minuten lang am Betreten des Bahnhofs Zoo hinderte. Da von hinten weiter Leute nachdrängten, wurde es schnell ungemütlich und die Stimmung drohte, aggressiv zu werden. Da man sich eingekeilt von Fans weder vor- noch zurückbewegen konnte und nicht wusste, wie lange diese Situation dauert und ob sie sich weiter zuspitzt, wirkte das Ganze etwas bedrohlich. Da wäre es hilfreich gewesen, wenn die Polizei uns über Lautsprecher über den Grund der Sperrung und deren voraussichtliche Dauer informiert hätte. Das hätte den Dampf rausgelassen.

Dafür ging es anschließend im Olympiastadion bei aller Leidenschaft der Unioner und Herthaner auf den Rängen friedlich zu, soweit ich das beurteilen konnte, von der berüchtigten Pyrotechnik in der Union-Kurve abgesehen.

Hier ein beeindruckendes Video mit Bildern und Fanchören aus beiden Lagern:
http://www.youtube.com/watch?v=erfG12GTaBk&feature=youtu.be
Das Gänsehaut-Feeling kommt sehr gut rüber. Den Pyroeinsatz lehne ich übrigens ab, da es meines Erachtens nur eine Frage der Zeit ist, bis das in deutschen Stadien zu einem Brand führt, der fürchterliche Folgen für die Zuschauer haben könnte. Super Stimmung hin oder her, Leib und Leben sind einfach wichtiger. Das Spiel ging verdient 2:2 aus, wobei die Aufholjagd der Herthaner schmerzte. Dafür haben wir den Sängerwettstreit klar gewonnen 🙂 Mein Lieblingsgesang kommt am Ende des Clips (ab 8:40 Minuten): FC Union, unsere Liebe, unsere Mannschaft, unser Stolz, unser Verein, Union Berlin, Union Berliiiiiiin!!!

Eisern Union!

Nach der Beschäftigung mit banalen Themen in den früheren Beiträgen dieses Blogs nun endlich am Rosenmontag zum wirklich Wichtigen, was die Hauptstadt rocken lässt: dem Derby Hertha-Union heute Abend im Olympiastadion. Ich werde es live dort genießen. Hier drei einschlägige Links:

https://www.youtube.com/watch?v=_wsKfROlvsw (hübsch bebilderte Union-Hymne gesungen von der einzigartigen Nina Hagen)
https://www.youtube.com/watch?v=PallSI09eo0 (Hymne in voller Länge)
http://hertha-union-freun.de/index.php/2-uncategorised/5-das-sind-wir (für ein friedliches Miteinander der Fans)

Brauchen wir Doktorarbeiten? (Teil 2)

Eigentlich wollte ich zum Plagiatsthema bei meinen Einlassungen zum Sinn von Doktorarbeiten und -titeln (Teil 1) nichts schreiben. Denn seit der Guttenberg-Affäre und auch in der aktuellen Schavan-Debatte wurde darüber schon so viel Kluges und Nachdenkenswertes geschrieben, dass ich nur darauf verweisen kann. Doch kommt mir in der Aufgeregtheit über Ministerrücktritte ein Aspekt zu kurz, den ich hier nachtragen möchte. Landauf landab zittern wahrscheinlich Tausende von promovierten Zeitgenossen davor, dass irgendjemand im Internet anfängt, ihre Doktorarbeit auf Plagiate zu durchforschen. So manch einer putzt sich innerlich die Stirn ab, dass er weder Politiker noch prominent ist und so wohl nicht ins Visier von Vroniplag & Co. kommt, wobei die Plattform inzwischen auch Nicht-Prominenten auf die Finger schaut. Schließlich kann durchaus die Karriere vom begehrten Doktortitel abhängen. Wer wollte die gefährden, indem er sich öffentlich aus der Deckung wagt, weil er z.B. ein politisches Amt anstrebt. Wenn es dumm läuft, ist das Amt weg und der Schaden auch für die Karriere außerhalb der Politik da. Also lieber ruhig verhalten und die olle Doktorarbeit möglichst wenig thematisieren, mag sich mancher denken. Zudem dürfte es Jahre später oft schwierig sein, sich bei Hunderten von Fußnoten noch genau an die eigene Zitierpraxis zu erinnern. All das zeigt aber doch, dass das Promotionssystem reformiert werden sollte, siehe Teil 1 meiner Ausführungen. Das wäre wichtiger als die tagesaktuell oft überhitzte Aufgeregtheit um Ministerrücktritte. Ich warte schon auf den ersten Schavan-Live-Ticker, wenn es den nicht schon gibt…

Großartiger Artikel zur kuriosen deutschen Titelsucht in der New York Times: http://www.nytimes.com/2013/02/10/world/europe/german-education-chief-quits-in-scandal-reflecting-fascination-with-titles.html?pagewanted=1&_r=0&hp

Update, Spam-Mail vom 27.2.: Guten Tag Kundennr. 260490,
möcten Sie in wenigen Tagen Dr. h.c. Kundennr. 260490 heissen? Endlich ist es soweit, sichern Sie sich jetzt Ihren Titel, und werden Sie zum V.I.P. In nur wenigen Tagen werden Sie zum Doktor ernannt und düfen die Bezeichnung zzgl. zu Ihrem Namen führen.
Nur noch kurze Zeit möglich:
(Webadresse entfernt)

Mit freundlichen Grüssen,
Ihr Doktortitel-Team

Brauchen wir Doktorarbeiten? (Teil 1)

Der Wirbel um Frau Schavans Doktorarbeit, über die inzwischen wohl alles pro und contra gesagt ist, sollte den Blick auf die grundsätzliche Problematik des Werts und Sinns von Promotionen und dem Doktortitel lenken. Einige persönliche Worte dazu: Als Jura-Student der Uni Augsburg war ich zur Anfertigung von mehreren Hausarbeiten (das sind Gutachten zu Fällen, anhand derer u.a. juristische Meinungsstreits erörtert werden müssen) mehr oder minder gezwungen, mich mit rechtswissenschaftlichen Doktorarbeiten auseinander zu setzen. Ich ärgerte mich damals oft über die schwer lesbaren und kaum verständlichen Abhandlungen, die noch dazu hyperspezialisierte Aspekte über teilweise Hunderte von Seiten ausbreiteten: Masse statt Klasse. Als typischer Fall in Erinnerung geblieben ist mir eine Strafrechtsarbeit, in der ein einzelnes Tatbestandsmerkmal eines Paragrafen (ich weiß nicht mehr welches) rechtsvergleichend zwischen dem griechischen und dem deutschen Strafrecht diskutiert wurde. Und dafür gab es den Doktorgrad. Im Ernst: Wer braucht solch eine Studie? Niemand, nicht in Griechenland, nicht in Deutschland und erst recht nicht im Rest der Welt. Auch germanistische Doktorarbeiten, die in einem Deutsch abgefasst sind, dass einem die Haare zu Berge stehen, möchte ich hier anführen. Meines Erachtens schlummert eine Heerzahl von Promotionsschriften, die allenfalls vom Assistenten des Doktorvaters als einzigem Leser je quergelesen wurden, in den Regalen deutscher Hochschulbibliotheken. Selbst der die Promotion betreuende Professor will sich das nicht antun, sie genau zu studieren, auch wenn er dazu verpflichtet ist. So manch einer von ihnen schreibt in der Zeit lieber lukrative Gutachten für Kunden aus der Wirtschaft oder anderen Bereichen.

Ich bin mir darüber im Klaren, dass ich hier zuspitze, nicht jedem Gegenargument gerecht werden kann und ein solch komplexes Thema in einem Blogeintrag nicht annähernd erschöpfend zu behandeln ist. Dennoch sollte sich die Wissenschaft und Gesellschaft einmal grundsätzlich damit beschäftigen, ob das traditionelle Promotionsmodell in den Rechts-, Geistes- und Gesellschaftswissenschaften wirklich so bleiben sollte. Seine Anhänger argumentieren in der Regel mit dem Humboldtschen Bildungsideal und der Freiheit von Forschung und Wissenschaft. Dafür mag es viele gute Argumente geben. Doch hinter den hehren Losungen stecken oft klare wirtschaftliche Interessen, insbesondere in der vom traditionellen System profitierenden Professorenschaft. Ein wesentlicher Punkt der nötigen Reform sollte die wissenschaftliche Relevanz des Themas sein. Hierbei ist zu hinterfragen, ob es wirklich gesellschaftlich sinnvoll ist, dass Promovierende oft Jahre mit dem Forschen und Schreiben ihrer Arbeiten verbringen, ohne dass am Ende der Mühen ein Ergebnis steht, das die Wissenschaft oder die Gesellschaft in irgendeiner Weise weiterbringt. Dabei muss berücksichtigt werden, dass dieser ganze Prozess sehr viel Geld kostet. Denn ein Teil der Ausgaben für die Gehälter von Professoren und wissenschaftlichen Mitarbeitern, für den Betrieb von Bibliotheken und der universitären Infrastruktur wird auch für Promotionen aufgewendet. Auch Nicht-Akademiker haben aber das Recht darauf, dass ihre mühsam ersparten Steuergroschen vernünftig und für Zwecke ausgegeben werden, die der gesamten Gesellschaft dienen. Nur intelligenten jungen Menschen den Doktorhut zu verleihen, damit sie besser Karriere machen können, ist kein hinreichender Grund dafür, dass das System so bleibt wie es ist.

Brauchen wir Doktorarbeiten? (Teil 2)