#aufschrei

Die Zehntausende von Tweets unter #aufschrei zeigen, wie überfällig die Sexismusdebatte ist. Das gilt unabhängig davon, wie man zu der späten Veröffentlichung des Brüderle-Porträts im Stern steht. Meiner Meinung nach wäre es direkt nach dem Vorfall wünschenswerter gewesen, schließlich war Brüderle schon damals FDP-Fraktionsvorsitzender. Nachdem er aber nun Spitzenkandidat für die Bundestagswahl wurde, müssen die Bürger damit rechnen, dass er im Fall eines schwarz-gelben Wahlsiegs Vizekanzler wird. Und da spielt es sehr wohl eine Rolle, wie jemand beruflich auftritt (selbst an Hotelbars) und ob er dabei den nötigen Respekt zeigt oder eben nicht wie im Gespräch mit der Kollegin Laura Himmelreich.

Viel wichtiger als die Bewertung der Brüderleschen Flirtkünste unter Alkoholeinfluss zu nächtlicher Stunde ist aber die grundsätzliche Thematisierung von Sexismus und anderen Diskriminierungen im Beruf und Alltag. Um es mit der Kanzlerin zu sagen: Respekt tut Not. Rapper würden sagen: „Don’t diss me“! Diss steht für disrespect. Der Spruch stimmt, auch wenn gerade Rapper für ihre oft sexistischen Texte berüchtigt sind. Woran man mal wieder sieht, wie komplex das ganze Thema ist…

Ich habe noch nie so viele Tweets gelesen wie in den letzten Tagen unter #aufschrei. Die Menge der oft nachdenklichen, differenzierenden und selbstkritischen Einträge von Frauen und Männern ist sehr beeindruckend. Etliche haben darauf hingewiesen, dass es Sexismus bei beiden Geschlechtern gibt. Leider waren auch zu viele unglaublich dämliche Bemerkungen und viele Verharmlosungen darunter, meist von Männern, was leider wenig wundert.

Last but not least: Der erste Satz in Artikel 1 des Grundgesetzes („Die Würde des Menschen unantastbar.“) ist nicht nur für den Staat, sondern für jeden Menschen, ob Männlein oder Weiblein, eine gute Richtschnur fürs Miteinander mit Anderen. Sich mit Respekt zu begegnen, sollte die logische Konsequenz aus diesem Satz unserer Verfassung sein.

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